Archiv für die Kategorie 'Kurzmeldungen'

Ausstellung: Die Vernichtung von Guernica “Ein voller Erfolg der Luftwaffe”

Aus­stel­lung und Ver­an­stal­tung zum Spa­ni­schen Bür­ger­krieg


Aus­stel­lung über die Ver­nich­tung von Guer­ni­ca
Am 26. April 1937 wurde wäh­rend des Spa­ni­schen Bür­ger­krie­ges die bas­ki­sche Stadt Guer­ni­ca durch deut­sche Kampf­flie­ger der Le­gi­on Con­dor ver­nich­tet.
Die­ses Ver­bre­chen gegen die Zi­vil­be­völ­ke­rung einer un­ver­tei­dig­ten Stadt löste welt­weit Ent­set­zen aus. Ein Teil der Täter, die in Spa­ni­en Fran­cos Mi­li­tär­putsch gegen die ge­wähl­te re­pu­bli­ka­ni­sche Re­gie­rung un­ter­stütz­ten, wurde auf den Flie­ger­hors­ten Lan­gen­ha­gen, Wunstorf und Del­men­horst aus­ge­bil­det. In der Für­ther Süd­stadt war das Flak­re­gi­ment 8 sta­tio­niert. Es stell­te Sol­da­ten für die „Le­gi­on Con­dor“ und wurde 1939 unter gro­ßer Teil­nah­me und Jubel der Be­völ­ke­rung auf dem neu er­rich­ten Schla­get­er­platz (heute Für­ther Frei­heit) emp­fan­gen.
Die Aus­stel­lung zeigt die Re­kon­struk­ti­on eines Ver­bre­chens, seine Vor­ge­schich­te und die Fol­gen. Die Aus­stel­lung ist ab dem 29.​11.​2013 bis Ende De­zember jeden Mitt­woch (19:00 Uhr) und jeden Frei­tag (20:00 Uhr) im In­fo­la­den Be­n­a­rio zu sehen.

Aus­stel­lungs­er­öff­nung & Be­gleit­ver­an­stal­tung
Frei­tag, 29.​11.​2013 | 20:00 Uhr | In­fo­la­den Be­n­a­rio, Nürn­ber­ger­str. 82, Fürth | U-Bahn Jakobinenstraße

Öffnungszeiten der Ausstellung (bis Ende Dezember):

mittwochs ab 19:00 Uhr
freitags ab 20:00 Uhr
 

Geschrieben von: df am 27.11.2013

Neue Uhrzeit! – Gedenken und Ausstellungseröffnung zur Reichspogromnacht

Vor 75 Jahren: Die Pogromnacht in Fürth

Wir vergessen nicht!

 

Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht
9. November 2013 | 18:00 Uhr | am Mahnmal der Geleitsgasse | Fürth

 

Ausstellung "Opfer rechter Gewalt"
Eröffnung: 9. November 2013 |  19:00 Uhr | Sozialrathaus Fürth

 

Die Ausstellung porträtiert 169 Menschen, die seit 1990 rechter Gewalt zum Opfer fielen. Viele wurden getötet, weil für sie im Weltbild der extremen Rechten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten.

Die Ausstellung ruft diese Menschen in Erinnerung.

Die Wanderausstellung »Opfer rechter Gewalt seit 1990« ist ein Projekt von Rebecca Forner und der Opferperspektive e.V. in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Öffnungszeiten: 11.11. – 30.11. werktags von 8:00 – 16:30 Uhr
 

Führungen für Schulklassen und Gruppen:

Die Ausstellung kann von Schulklassen (ab 7. oder 8. Klasse) besucht werden. Führungen für Schulklassen und Gruppen werden von erfahrenen Pädagogen durchgeführt und dauern ca. 1 ½ Stunden.

Eintritt und Führungen sind kostenfrei.

Lehrkräfte können sich mit ihren Schulklassen unter gewmittelfranken.info@yahoo.de anmelden.

Bei der Anmeldung bitte mit angeben:
- Wunschtermin der Führung
- Ausweichtermin, falls der Wunschtermin schon vergeben ist
- Anzhal der SchülerInnen
- Jahrgangsstufe/Alter der SchülerInnen

 

Am 12.11.13 findet um 14:30 Uhr im Sozialrathaus eine Führung für Lehrkräfte statt.

 

Geschrieben von: df am 17.10.2013

Veranstaltung mit Veit Wilhelmy zum politischen Streik

Politischer Streik – auch in Deutschland

 

Das politische Streikrecht – wie wir es verloren haben und warum wir es gerade jetzt brauchen (auch als BeamtInnen)

 

Referats- und Diskussionsveranstaltung mit Veit Wilhelmy (Gewerkschaftssekretär der IG Bau Frankfurt)

Mittwoch | 27.11.2013 | 19:00 Uhr

GEW-Büro Fürth | Luisenstr. 2 | U-Bahn Jakobinenstraße

Karte: http://goo.gl/maps/3dE5N

 

- Sind politische Streiks in Deutschland "verboten"? Warum verzichten die Gewerkschaften in den Kämpfen der vergangenen Jahre auf das Kampfmittel des politischen Streiks?

- Wie können wir ein kämpferisches Streikrecht und den politischen Streik als Kampfmaßnahme durchsetzen?

- Diese und viele andere Fragen solen durch einen offenen Meinungsaustausch diskutiert werden

Unser Referent, der Kollege Veit Wilhelmy hat sich mit den politischen und rechtlichen Voraussetzungen für den politischen Streik in der BRD gründlich auseinandergesetzt und stellt in seinem Vortrag Ergebniss dieser Arbeit zur Diskussion. Wir freuen uns auf eine spannende und fruchtbare Diskussion mit ihm und allen Interessierten.

 

Flyer können demnächst im GEW-Büro Fürth abgeholt werden. Für weitere Informationen bitte per Mail an GEW-Mittelfranken@nefkom.net

 

 

Geschrieben von: df am 17.10.2013

GEW Bayern zum Schuljahresbeginn 13/14

Der Kultusminister schaut durch eine rosarote Brille – die Schulwirklichkeit sieht anders aus!

Für die meisten Schüler*innen, Lehrer*innen, pädagogischen Fachkräfte und Eltern beginnt das neue Schuljahr so, wie das alte geendet hat: mit Druck und Stress! Daran ändern die selbstgefälligen Erfolgsmeldungen des Kultusministers und deren Wiederholung durch den Staatssekretär, mit denen sie geradezu das pädagogische Paradies in Bayern immer wieder ausrufen, nichts.

Dazu Gele Neubäcker, Vorsitzende der GEW Bayern: “Aus seiner Erkenntnis, dass „die Lehrkräfte heute viele zusätzliche Aufgaben wahrnehmen müssen“ (PM vom 6. September 2013) zieht der Kultusminister nicht die für Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern notwendigen Konsequenzen, sondern versucht, uns mit „Peanuts“ abzuspeisen. Damit geben wir uns nicht zufrieden!“

Alle erfolgreich ausgebildeten Lehrer*innen einstellen!
Wir erfahren, dass knapp 4500 Lehrkräfte neu eingestellt wurden, aber nicht, wie viele davon in ein unbefristetes, sicheres Arbeitsverhältnis. Wir erfahren nicht, wie viele der erfolgreich ausgebildeten Lehrer*innen  nicht übernommen wurden und dadurch ihren Wunschberuf nicht ausüben können, noch erfahren wir, wie viele aus dem Schuldienst ausgeschieden sind.

Wir erfahren, dass die Klassen (außer an FOS/BOS) im Durchschnitt kleiner geworden sind, aber nicht, wie viele sehr kleine Klassen durch sehr große Klassen an anderen Schulen kompensiert werden müssen. An Grund- und Mittelschulen gibt es keine Mindestklassengröße mehr. Damit sollen kleine Schulen zumindest im Wahljahr weiter bestehen können. Anschließend wird es absehbar zu Schulschließungen auf dem Land kommen. Dazu Neubäcker:  „Es ist z. B. sicher kein Zufall, dass eine „Zwergschule“ mit zehn (!) Schüler*innen im Allgäuer Dorf Unterjoch die Bestandsgarantie gerade für das Schuljahr 2013/14 erhalten hat!“

Wir erfahren nicht, wie groß die Eingangsklassen an Gymnasien und Realschulen sind, nur die Durchschnittsgröße von 26,3 bzw. 26,6, was auch pädagogisch unvertretbar ist.

Deshalb fordert die GEW nach wie vor: Alle erfolgreich ausgebildeten Lehrer*innen einstellen, solange pädagogischer Bedarf besteht!

„Gebundene Ganztagsschulen“ für alle Schüler*innen!
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert die „gebundene Ganztagsschule“: Alle Schüler*innen sind von morgens bis nachmittags an der Schule. Der Schultag ist rhythmisiert, Lern-, Übungs-, Spiel- und Bewegungsphasen wechseln sich ab. Schüler*innen können aus sportlichen, künstlerischen oder musischen Angeboten auswählen oder auch selbst AGs gründen. Ein kostenloses Mittagessen ist aus sozialen Gründen selbstverständlich. Die Übungsphasen ersetzen die nach aller Erfahrung wenig effektiven Hausaufgaben. Pädagogische Fachkräfte mit unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten in Teams zusammen.

Weit davon entfernt ist die schöngeredete bayerische Schulwirklichkeit! Ganztagsangebote an 83 % der Schulen (bis Jahrgangsstufe zehn) bedeutet: Alle Schulen sind überwiegend Halbtagsschulen, die einen erheblichen Teil der schulischen Arbeit in den Nachmittag legen. Ob Schüler*innen bei Bedarf die notwendige Unterstützung – auf die zumindest die Grundschule baut – erhalten, darf sie nicht interessieren. Die Verantwortung dafür wird den Eltern zugeschoben, die als Hilfslehrer*innen oder Auftraggeber von Nachhilfestunden einspringen müssen, sofern sie dazu in der Lage sind.

Für einen geringen Teil der Schüler*innen gibt es ein kostenpflichtiges Mittagessen und Nachmittagsangebote. Gerade 1050 von knapp 4000 staatlichen Schulen haben „gebundene Ganztagsklassen“ für einen Teil ihrer Schüler*innen. 3850 Schulen machen „offene“ Angebote, das sind Halbtagsschulen, an denen für Schüler*innen, die bzw. deren Eltern es wünschen, Mittagessen und Nachmittagsbetreuung angeboten wird. Beide Formen sind unterfinanziert und personell unterbesetzt, die offenen Angebote können deshalb meist nicht die pädagogischen Standards von Horten erreichen.

Das Gymnasium braucht ein stimmiges Konzept – Flickschusterei löst die Probleme nicht!
Vergeblich hat der Ministerpräsident das Gymnasium zur Chefsache erklärt, um für Ruhe an dieser Schulart zu sorgen. Das „freiwillige Durchfallen“, genannt „Flexijahr“ für zwei bis drei Prozent der Schüler*innen in der Mittelstufe ist Hals über Kopf am „grünen Tisch“ entstanden und findet daher die „entsprechende“ Akzeptanz. Es wird außerhalb des KM entweder belächelt oder ruft wütende Reaktionen hervor. Kaum jemand sieht darin eine in der Praxis umsetzbare Lösung von Lern- bzw. Notenproblemen, wenn Schüler*innen freiwillig eine Klassenstufe wiederholen, in diesem Wiederholungsjahr sechs Wochenstunden in beliebigen Fächern streichen können und in dieser Zeit in ihren „Problemfächern“ gefördert werden sollen. Was fehlt, ist ein grundsätzlich neues und stimmiges Konzept für das Gymnasium mit genügend Zeit für nachhaltiges und selbst verantwortetes Lernen und guten Arbeitsbedingungen für Lehrer*innen. Aus Sicht der GEW am besten als Konzept einer gymnasialen Oberstufe als Anschlussmöglichkeit an die zehnjährige gemeinsame Schule für alle!

Verpflichtung zur Inklusion endlich ernst nehmen!
Selbstzufrieden mit dem Wenigen, was erreicht worden ist, scheinen sich Staatsregierung und KM entspannt zurückzulehnen. Die in Aussicht gestellte qualitative Weiterentwicklung des Status quo bleibt aus, lediglich quantitativ wird etwas ausgeweitet: 126 Schulen, überwiegend Grundschulen, haben den Namen „Schulen mit dem Profil Inklusion“. Mehr Schüler*innen mit dem Label „(lern)behindert“ besuchen Grundschulen, allerdings ohne dass diese entsprechend ausgestattet sind. Die personelle, materielle und räumliche Situation ist nach wie vor unzureichend, qualifizierte und umfassende Fortbildung für neue Aufgaben: Fehlanzeige!

Wir brauchen EINE SCHULE FÜR ALLE!
„Hartnäckig und selbstbewusst wiederholen wir unsere Forderung nach einer gemeinsamen Schule für ALLE Kinder und Jugendlichen bis zum Ende der Pflichtschulzeit. Internationale Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse belegen die Berechtigung unserer Forderung: EINE SCHULE FÜR ALLE ist die Schulform, die die Würde aller Kinder und Jugendlichen wahrt, indem sie niemanden aussondert oder bloßstellt, und die das Menschenrecht auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen am ehesten und am besten einlösen kann!“, so Neubäcker abschließend.

 

 

Quelle:
Pressemitteilung Nr. 14 vom 11. September 2013
ViSdP.: Elke Hahn, GEW Landesverband Bayern
11. September 2013

 

Geschrieben von: df am 1.10.2013

Änderung der Lehramtsprüfungsordnung I ab heute in Kraft

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus teilte mit (gekürzt):

"Angehende Lehrkräfte werden frühzeitiger auf Anforderungen der Inklusion, Berufsorientierung und Integration vorbereitet"

MÜNCHEN. Zum 1. Oktober tritt die neue Lehramtsprüfungsordnung I für Bayern in Kraft. Diese regelt die erste Phase der Ausbildung angehender Lehrkräfte an den Universitäten. An die erste Phase schließt sich das Referendariat an. Beide werden jeweils mit einem Staatsexamen abgeschlossen.

Wichtige Neuerungen der Lehramtsprüfungsordnung I sind z.B.:

• Der Themenkomplex "Inklusion" wird für alle Lehrämter fest verankert. Sowohl in den Erziehungswissenschaften wie auch in den Fachdidaktiken findet der gemeinsame Unterricht und Schulalltag von jungen Menschen mit und ohne besonderen Förderbedarf ausdrücklich Eingang in universitäre Lehrinhalte und Prüfungsinhalte der Ersten Staatsprüfung.

• Für angehende Lehrkräfte an den Mittelschulen wird die Ausbildung im Bereich „Berufsorientierung“ verpflichtend eingeführt. Diese spielt in der Stundentafel wie auch im Schulalltag der Mittelschule eine zentrale Rolle.

• Das Unterrichtsfach Islamischer Unterricht wird als Erweiterungsfach für die Lehrämter an Grund-, Haupt-, Mittel-, Real- und beruflichen Schulen sowie für das Lehramt für Sonderpädagogik eingeführt. Damit ist Bayern das erste Land mit einer staatlichen Prüfung zur Qualifikation in Islamischem Unterricht. In Bayern wird seit fünf Jahren Islamischer Unterricht im Rahmen eines Modellversuchs als staatliches Unterrichtsfach angeboten. Die universitäre Ausbildung findet derzeit allein an der Universität Erlangen-Nürnberg statt, sie wird künftig aber von mehr Hochschulen angeboten werden.

• Das Fach Polnisch kommt als Erweiterungsfach für das Lehramt an Gymnasien neu hinzu. Die Fächer Chinesisch, Neugriechisch, Tschechisch und Türkisch, die bereits früher in der Ausbildung zum Lehramt für das Gymnasium verankert waren, werden nun in überarbeiteter Form wieder als Erweiterungsfächer aufgenommen. Für die Studierenden von Lehrämtern anderer Schularten wird eine bedarfsorientierte Qualifizierung in diesen Sprachen ermöglicht.

• Die Ausbildung im Fach Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt wird in der Ausbildung der Lehrkräfte für alle Schularten fachlich gestärkt.

Quelle: GEW-Ansbach

Geschrieben von: df am 1.10.2013

zum 27. Gewerkschaftstag in Düsseldorf

Anbei ein Zeitungsartikel über den Gewerkschaftstag aus der jungen Welt. Weitere Infos unter

http://www.gew-gewerkschaftstag.de/Gewerkschaftstag_2013.html

 

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Geschrieben von: df am 29.06.2013

Eine andere Schule ist möglich. Besuch der Reformschule Kassel und der Offenen Schule Waldau

Während der bayerischen Pfingsferien besuchten sieben KollegInnen die Reformschule Kassel und die Offene Schule Waldau

 

Eine andere Schule ist möglich

Lärmende Kinder, die durchs Schulhaus rennen, verschmutzte Toiletten, Essensreste auf dem Mensaboden, verzweifelte Lehrer, weil Schüler nicht zuhören: damit haben die Reformschule Kassel und die Offene Schule Waldau nichts gemein. Erstere hat ein Einzugsgebiet mit relativ gut situierten Familien, die andere liegt am Rande einer Plattenbausiedlung. Was die kommunalen Stadtteilschulen und Versuchsschulen des Landes Hessen eint? Die Pädagogik beider Gesamtschulen orientiert sich an der Individualität des Kindes wie am Prinzip der Inklusion. Dass dabei der Leistungsgedanke nicht auf der Strecke bleibt, zeigen nach der zehnten Klasse die hohen Übertrittsquoten in die Oberstufe der umliegenden Gymnasien.

Hört das ein Verfechter eines vielfach gegliederten Schulwesens, wird er ungläubig seinen Kopf schütteln und etwas wie von der Quadratur des Zirkels murmeln. Besuchte er diese Schulen, käme er aus dem Staunen nicht hinaus. Sieben Mitglieder des hiesigen Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fuhren in den bayerischen Pfingstferien nach Hessen, um die Reformschule Kassel und die Offene Schule Waldau von innen zu sehen. Sie hospitierten je einen Schultag im Fach- wie im Projektunterricht, erfuhren, was im Freien Lernen geschieht, sprachen mit Schülern und Lehrern. Hier ihr Bericht:

Die erste Begegnung: Fröhliche, aufgeschlossene Grundschulmädchen weisen uns den Weg zum Schuleingang der Reformschule. Von Annette Kaestner, einem Mitglied der Schulleitung, erhalten wir grundlegende Informationen über die Ganztagsschule mit rhythmisiertem Tagesablauf, die ihre gut 500 Schüler in vier Stufen und altersgemischte Lerngruppen mit je 24 Kindern aufteilt. Die Fünf-, Sechs- und Siebenjährigen sind in der ersten Stufe versammelt, die Acht- bis Zehnjährigen in der zweiten, die Zwölf- bis Dreizehnjährigen besuchen die dritte, die folgenden zwei Jahrgänge die vierte Stufe. Altersgemischte Gruppen erzwingen geradezu eine Vielfalt von unterrichtlichen Angeboten bis hin zur Individualisierung. So steht es auch im Schulprogramm. Integrationskinder, ob in der Sprachentwicklung verzögert oder körperlich behindert, werden seit 25 Jahren aufgenommen.

Projektunterricht als Fach

Ein Hauptaugenmerk der Reformschule liegt auf dem Projektunterricht, der als eigenes Fach fester Bestandteil der Stundentafel ist. Die Schüler erarbeiten hier verschiedene vorgegebene bzw. freie Themen aus dem natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen und erstellen eine Abschlusspräsentation. Wir sind von den Projektpräsentationen, etwa über Tierquälerei oder der Geschichte des Kakaos, von der ungezwungenen und gekonnten Vorstellung von Sechs- bis Achtklässlern begeistert, die zum einen rhetorisch geschickt agieren und zum anderen wie selbstverständlich auch technische Pannen und Zwischenfragen souverän meistern. Ein Schwerpunkt wird im Projektunterricht vor allem auf außerschulische Unterrichtsgänge, wie beispielsweise ein Besuch im Tierheim zur Recherchezwecken, gelegt. Die Schüler sollen überdies selbstständig Informationen sammeln und nicht nur auf die heute so beliebten Internetquellen zurückgreifen. Während der Erarbeitung findet eine ständige Rücksprache und Beratung mit der Lehrkraft statt, und die Schüler bekommen je individuelle Rückmeldungen zum Arbeitsfortschritt ihres Projekts. Außergewöhnlich erscheint uns vor allem die hervorragende Feedback-Kultur. Jeder der zahlreichen Feedback-Beiträge beginnt konsequent mit motivierendem Lob, enthält aber auch fundierte Verbesserungsvorschläge.

Leistungsförderung im heterogenen Klassenverband und soziales Lernen

Die besondere Art der Leistungsförderung geschieht auch im Englischunterricht. Beginnend mit der individuellen Wiederholung des Wortschatzes mit Hilfe von Wortkarteikästen, beantworten Schüler Fragen zu vier im Anforderungsniveau ansteigenden Dialogen zu Flohmarktsituationen. Zur Einstudierung eigener Verkaufsgespräche können die Schüler das Klassenzimmer verlassen und mit dem Gesprächspartner üben. Die frei vorgetragenen Dialoge überwiegen zahlenmäßig bei weitem die abgelesenen. Angenehm ist die jederzeit ruhige Arbeitsatmosphäre in und außerhalb des Klassenzimmers unabhängig vom jeweiligen Standort des Lehrers. Selbst bei der schriftlichen Feststellung des Kenntnisstands versteht sich der Lehrer als Helfer und nicht als Überprüfender.

In beiden Schulen wird uns der Eindruck vermittelt, dass Schüler und Lehrer respektvoll miteinander umgehen, ein starker sozialer Zusammenhalt existiert und eine Lernkultur gepflegt wird, in der Helfen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ob ein sprachbehinderter Schüler eine Rolle aus „Romeo und Julia“ übernimmt oder es bei einem anderen an der erforderlichen Fingerfertigkeit bei einer handwerklichen Tätigkeit mangelt: nirgendwo wird unterdrückt gelacht; stets wird unterstützt.

„Wir leben gleichsam mit den Kindern zusammen, so öffnen sie sich mit der Zeit, und wir erfahren mehr über ihr Elternhaus, ihre Sorgen und Nöte“, bekommen wir von einer Förderschullehrerin mitgeteilt. „Es liegt damit in der Natur der Sache“, ergänzt sie, „dass wir dann viel besser fördern und fordern können, die Leistungsschwächeren wie auch die –stärkeren.“

Beim Freien Lernen, das uns Außenstehenden schon wie eine Art Belohnung nach einem abgeschlossenen Projekt in der Offenen Schule Waldau vorkommt, erleben wir unmittelbar, wie ein Achtklässler, der mit seiner Arbeit schon so gut wie fertig ist, einem Mitschüler mit feinmotorischen Mängeln unaufgefordert hilft, eine Lenkung aus einem Bausatz in ein Fantasieauto einzufügen. Helfen sei selbstverständlich, auch mit Schwächeren in einem Kurs zusammen zu sein. Diese freie Zeit jetzt mit dem Wiederholen von Englisch- oder Lateinvokabeln zu verbringen, komme ihm nicht in den Sinn, bekennt der Schüler freimütig auf die provokante Frage, warum er nicht an sich denke.

Gleich, welches Produkt im Entstehen ist, ob ein Kleid aus Plastiktüten, ein Vogelhaus mit Landebahn, das Fantasieauto, eine Zeichnung, die arbeitende Mitschülerinnen zeigt – ein jeder Schüler kommentiert seine Arbeit am Ende der Doppelstunde vor den Mitschülern: der eine eloquent, der andere aufgrund sprachlicher Defizite ein wenig holprig. Dass die Pause längst begonnen hat, als noch präsentiert und Fragen gestellt werden, entgeht uns Besuchern, weil in dieser Gesamtschule kein Gong einen neuen Tagesabschnitt markiert und ein jeder Schüler bis zum Ende der Produktpräsentation aufmerksam ist.

Einzug der pädagogischen Vernunft

Vor 30 Jahren hingegen, als Gesamtschulen das gegliederte Schulwesen in sich durch äußere Differenzierung perfekt abgebildet und viel zu viele Lehrer in einem Jahrgang unterrichtet hatten, hatte auch Waldau mit einer Unzahl von Problemen wie lärmenden Schülerhorden zu kämpfen. Die Rückgewinnung der pädagogischen Vernunft, also Geborgenheit, Überschaubarkeit, stabile persönliche Beziehungen durch Regeln und Rituale, Wochenpläne, eine sanfte Differenzierung, durch Sozialflächen und Jahrgangsteams, brachte schnell eine Wende, berichtet der stellvertretende Schulleiter Rainer Schärer.

Normalerweise betreuen zwölf, dreizehn Lehrer einen Jahrgang, der aus etwa 150 Schülern, aufgeteilt in sechs Klassen, besteht. Schüler und Lehrer bleiben durchgängig von der 5. Jahrgangsstufe bis zur Entlassklasse zusammen. Soweit als möglich regelt jeder Jahrgang seine pädagogischen und organisatorischen Aufgaben selbstständig. Diese Jahrgangsstruktur gewährt für alle Überschaubar- und Verbindlichkeit. „Langsam und leise, friedlich und freundlich“ heißt das wohl kürzeste Schulprogramm. Kein lautes Wort ist auf den wohnlich gestalteten Sozialflächen zu hören. Um eine jede gruppieren sich die Klassenzimmer eines Jahrgangs. In einem Klassenzimmer haben sich um 8.15 Uhr schon sieben Kinder aus dem sechsten Jahrgang versammelt. Sie arbeiten munter und konzentriert zugleich an unterschiedlichen Aufgaben und beantworten freundlich unsere Fragen. Von 7.30 bis 8.45 Uhr können die Schülerinnen und Schüler der OSW „ankommen“.

In die Oberstufen von beruflichen und klassischen Gymnasien wie in Fachoberschulen treten weit mehr als je die Hälfte der Schüler beider Schulen über. „Das in der Reformschule ab der vierten Lernstufe erreichte Notenbild wird in den Oberstufen problemlos gehalten“, berichtet Annette Kaestner. Und Rainer Schärer von der Offenen Schule Waldau bekennt: „Natürlich hatten wir beim ersten Wechsel Angst, dass unsere Schüler scheitern würden.“ Ein wenig stolz fügt er hinzu: „Doch nach der Auswertung der Noten unserer Ex-Schüler an den Oberstufen, und das Fach für Fach, war uns die Angst genommen. Unsere Waldau-Schüler zeigen überdurchschnittliche Erfolge im Abitur.“

Noch jetzt, längst zurück in separierender bayerischer Schulwirklichkeit, klingen uns Sätze wie diese in den Ohren: „Die methodischen Dinge sind uns wichtig und wie unsere Schüler lernen, das heißt natürlich weniger Stoff vermitteln.“ „Mal ehrlich, je einheitlicher eine Gruppe ist, desto schwieriger ist die Arbeit für die Lehrkraft, also bevorzugen wir heterogene Gruppen.“ Liegt es an ihrer praktischen Umsetzung, dass in beide Schulen viel mehr Kinder gehen wollen, als aufgenommen werden können?

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Geschrieben von: df am 13.06.2013

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