Archiv für die Kategorie 'Aktionen'

Der 1. Mai in Fürth und Nürnberg

Rund um den 1. Mai finden wieder viele Demonstrationen und Straßenfeste statt. Hier ein kleiner Überblick über die Aktionen in Fürth und Nünberg

 

- antikapitalistische Vorabenddemonstration "Nazis bekämpfen – Kapitalismus abschaffen!"
30. April | 19:00 Uhr | Kleine Freiheit | U-Bahn Hauptbahnhof Fürth
Veranstalter: Antifaschistische Linke Fürth, Jugendantifa Fürth
Den Aufruf findet ihr hier
 

- Gewerkschaftsdemo Fürth "Gute Arbeit – Soziales Europa"
1. Mai | 10:00 Uhr | Sozialrathaus | U-Bahn Rathaus
im Anschluss ab 11:00 Uhr Kundgebung an der Kleinen Freiheit, danach buntes Maifest bis 14:00 Uhr
den Aufruf findet ihr hier

 

- Gewerkschaftsdemo Nürnberg "Gute Arbeit – Soziales Europa"
1. Mai | 10:00 Uhr | Aufsessplatz Nürnberg
im Anschluss ab 11:00 Uhr Großkundgebung am Kornmarkt, danach buntes Maifest bis 17:30 Uhr
den Aufruf findet ihr hier

 

- revolutionäre 1.Mai Demo "Krise ist unser Alltag im Kapitalismus – Unser Alltag ist Widerstand"
1. Mai | 11:30 Uhr | Bauerngasse/ Ecke Gostenhofer Hauptstr. | U-Bahn Plärrer
Eine Inititiative der Organisierten Autonomie
den Aufruf findet ihr hier

- internationalistisches Straßenfest 2014
1.Mai | 14:00 Uhr | Müllner Straße/ Ecke Adam-Klein-Straße
Essen | Trinken | Konzerte | Infostände | Diskussion
mehr Infos

Geschrieben von: df am 17.04.2014

Veranstaltungsreihe: Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

 

Veranstaltungsreihe: Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus

Im Rah­men der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Wi­der­stand und Ver­fol­gung im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus“ will die Antifaschistische Linke Fürth (ALF) mit ei­ni­gen Ver­an­stal­tun­gen an die Opfer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus er­in­nern.

Zu­nächst wird die Aus­stel­lung „Gebt ihnen einen Namen“, vom 09.-12. April im Kul­tur­fo­rum zu sehen sein, diese wird aber auch den ge­sam­ten Mai im In­fo­la­den Be­n­a­rio (Nürnberger Straße 82, Fürth) und im Au­gust in der Kof­fer­fa­brik ge­zeigt. Um­rahmt wird die Aus­stel­lung mit einer kur­zen In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung zur Aus­stel­lung am 02. Mai um 20.​00 Uhr im In­fo­la­den.
Dar­über hin­aus wird es zwei an­ti­fa­schis­ti­sche Stadt­rund­gän­ge, die von Sieg­fried Im­holz ge­lei­tet wer­den, geben. Der erste Stadt­rund­gang wid­met sich dem Ar­bei­te­rIn­nen­wi­der­stand und fin­det am 27. April, um 13.​00 Uhr in Fürth statt. Los geht es am Grü­nen Markt. Der zwei­te an­ti­fa­schis­ti­sche Stadt­rund­gang stellt die Ari­sie­rung und deren Pro­fi­teu­rIn­nen in den Mit­tel­punkt. Er fin­det am 29. Juni, eben­falls um 13.​00 Uhr am Koh­len­markt statt. Beide Stadt­rund­gän­ge dau­ern ein­ein­halb bis zwei Stun­den. Der Ein­tritt ist frei.

 

Zudem ver­an­stal­tet die ALF eine Fahrt in die Ge­denk­stät­te Bu­chen­wald. Diese wird am 10. Mai statt­fin­den. Neben der Be­sich­ti­gung der Ge­denk­stät­te und des Mu­se­ums wird es eine or­ga­ni­sier­te Füh­rung geben, die über die Hin­ter­grün­de der Ge­denk­stät­te auf­klärt. Kar­ten für die Fahrt sind im In­fo­la­den Be­n­a­rio er­hält­lich.
Alle Ver­an­stal­tun­gen, Aus­stel­lun­gen und Stadt­füh­run­gen sind selbst­ver­ständ­lich kos­ten­los, le­dig­lich für die Bus­fahrt fällt ein Un­kos­ten­bei­trag von ca. 20 € an.

Eine Ver­an­stal­tungs­rei­he der An­ti­fa­schis­ti­schen Lin­ken Fürth (ALF), In­fo­la­den Be­n­a­rio & Sieg­fried Im­holz

Mit­ver­an­stal­te­rIn­nen: Kurt Eis­ner Ver­ein für po­li­ti­sche Bil­dung in Bay­ern e.V., Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner der Ro­sa-​Lu­xem­burg-​Stif­tung, der Wolf­gang-​Abend­roth-​Stif­tungs­ge­sell­schaft und das Für­ther Bünd­nis gegen Rechts.

 

Aus­stel­lung„Gebt ihnen einen Namen“
9.-12. April | Kul­tur­fo­rum (Würz­bur­ger Str. 2, Fürth)
An­we­sen­heit der Aus­stel­lungs­ma­che­rIn­nen 12. April, im An­schluss an das Ge­den­ken an Be­n­a­rio und Gold­mann (17:30 Uhr, Ufer­pro­me­na­de)

Im Mai | In­fo­la­den Be­n­a­rio (Nürn­ber­ger­str. 82, Fürth)
Aus­stel­lungs­er­öff­nung, 2. Mai, 20 Uhr

31. Juli – 31. Au­gust | Kof­fer­fa­brik (Lange Str. 81, Fürth)
Ver­nis­sa­ge 31. Juli, 19 Uhr

Der In­fo­la­den Be­n­a­rio er­stell­te zu­sam­men mit Sieg­fried Im­holz eine Aus­stel­lung mit den Bio­gra­fi­en von Für­ther Frau­en und Män­nern, die von 1933 bis 1945 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­tIn­nen ein­ge­sperrt, ge­fol­tert oder er­mor­det wur­den, weil sie Wi­der­stand gegen die Bar­ba­rei leis­te­ten. Nach heu­ti­ger Kennt­nis wur­den al­lein in Fürth 150 Frau­en und Män­ner ver­haf­tet und oft jah­re­lang in Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern und Ge­fäng­nis­sen miss­han­delt.
10 wur­den nur des­halb er­mor­det, weil sie es nicht mit ihrer Moral ver­ein­ba­ren konn­ten, ta­ten­los bei Ter­ror, Krieg und Mas­sen­mord zu zu­se­hen. Viele von ihnen wur­den von Nach­ba­rIn­nen oder Ar­beits­kol­le­gIn­nen – den so­ge­nann­ten Mit­läu­fe­rIn­nen – de­nun­ziert.
Nach 1945 wur­den sie ver­ges­sen. Ihre Namen wur­den aus dem Be­wusst­sein ge-​löscht, weil sie die Mehr­heit so un­an­ge­nehm daran er­in­nern, dass es mög­lich war, sich zu weh­ren.
Mit der Aus­stel­lung wol­len wir Ihnen einen Namen geben, den Wi­der­stand sicht­bar ma­chen und dem Ver­ges­sen ent­ge­gen­wir­ken.

Stadt­rund­gang Ar­bei­te­rIn­nen­wi­der­stand
Sonn­tag, 27. April | 13 Uhr | Grü­ner Markt (Markt­platz, Fürth)
Dauer: 1 ½ – 2 h
Wäh­rend des „Drit­ten Rei­ches“ fie­len über 40 Mil­lio­nen Men­schen dem Ver­nich­tungs­wahn der Fa­schis­tIn­nen zum Opfer. Sie wur­den in Ver­nich­tungs-​ und Kon-​zen­tra­ti­ons­la­gern zu Tode ge­fol­tert, auf of­fe­ner Stra­ße er­schla­gen oder durch die Trup­pen der Wehr­macht und Waf­fen-​SS in einem ver­nich­ten­den An­griffs­krieg er-​mor­det. Was pas­sier­te in die­ser Zeit in der Klee­blatt­stadt? Wie sah der an­ti­fa­schis-​ti­sche Wi­der­stand in Fürth aus? Wo sind die Zeug­nis­se die­ser Zeit noch heute im Stadt­bild sicht­bar? Wie wird in Fürth der Opfer ge­dacht? Auf diese und an­de­re Fra­gen möch­ten wir euch beim an­ti­fa­schis­ti­schen Stadt­rund­gang Ant­wor­ten geben.
Dabei wer­den so­wohl die Ge­schich­te Fürths, ins­be­son­de­re aber auch die Ge-​schich­te der Für­ther Tä­te­rIn­nen, wie bei­spiels­wei­se die des Für­ther Fa­bri­kan­ten und Un­ter­neh­mers Gus­tav Schi­cke­danz, be­leuch­tet. Der Wi­der­stand gegen den deut­schen Fa­schis­mus in Fürth wird ge­nau­so ein Thema sein, wie der heu­ti­ge Um­gang mit der Er­in­ne­rung an die Opfer. Daher laden wir euch er­neut zum über-​ar­bei­te­ten und aus­ge­wei­te­ten Stadt­rund­gang ein.

Bus­fahrt nach Bu­chen­wald – Ak­ti­ves Er­in­nern an die Opfer des NS-​Ter­rors
Sams­tag, 10. Mai | 07.​00 Uhr | Fürth – Bu­chen­wald – Wei­mar – Fürth

Wie so viele Orte in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land steht auch das ehe­ma­li­ge Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger (KZ) Bu­chen­wald mit sei­ner Au­ßen­an­la­ge Mit­tel­bau-​Do­ra, für den sys­te­ma­ti­schen Ter­ror und die in­dus­tri­el­le Ver­nich­tung der eu­ro­päi­schen Jü­din­nen und Juden, Kom­mu­nis­tIn­nen, in­ter­na­tio­na­len Wi­der­stands­kämp­fe­rIn­nen, Schrift­stel­le­rIn­nen und auch Geist­li­chen durch die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ter­ror­herr­schaft. Trotz der un­er­träg­li­chen Qua­len und Er­nied­ri­gun­gen, die die In­haf­tier­ten in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern er­tra­gen muss­ten, or­ga­ni­sier­ten die Häft­lin­ge den Wi­der­stand, der am 11. April 1945 in der Selbst­be­frei­ung gip­fel­te.
Unter den zehn­tau­sen­den Häft­lin­gen gab es auch Für­the­rIn­nen, wel­che im KZ Bu­chen­wald ein­ge­sperrt wur­den, ei­ni­ge über­leb­ten die Ty­ran­nei nicht. Wir möch­ten auch Ihnen „einen Namen“ geben und jener er­in­nern die sich dem Fa­schis­mus und Un­ter­drü­ckung wi­der­setzt haben.

Wie konn­te das Sys­tem „Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger“ funk­tio­nie­ren? Wie sah der „All­tag“ im Lager aus? Wie wurde der Wi­der­stand or­ga­ni­siert? – Die­sen und wei­te­ren Fra­gen wol­len wir an die­sem Tag auf die Spur gehen.
Ge­plan­ter Ta­ges­ab­lauf: Ab­fahrt – ca. 07:00 Uhr; Be­such der KZ-​Ge­denk­stät­te mit Be­glei­tung des Vor­sit­zen­den des „Buch­wald­ko­mi­tees“ Die­t­er Schnei­der; an­schlie­ßen­der Auf­ent­halt (ca. 3 Std) in Wei­mar; Rück­kehr in Fürth: ca. 20:00 Uhr;
Kos­ten für Fahrt und Ge­denk­stät­ten­be­sich­ti­gung + Be­gleit­bro­schü­re: ca. 20,00 €
Kar­ten und wei­te­re In­for­ma­tio­nen für die Bus­fahrt be­kommst du im In­fo­la­den Be­n­a­rio immer Mitt­wochs ab 19:00 und Frei­tags ab 20:00. Oder du schreibst uns eine Email an Infoladen-fuerth@​web.​de.​
Die Fahrt wird von den an­ti­ras­sis­ti­schen Klee­blatt­fans und Ul­tras aus „Block 12“ und dem In­fo­la­den Be­n­a­rio or­ga­ni­siert.

Stadt­rund­gang Ari­sie­rung in Fürth
Sonn­tag, 29. Juni | 13.​00 Uhr | Koh­len­markt (Rat­haus, Fürth)

Von 1933 bis 1945 raub­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­tIn­nen und ihre Hel­fers­hel­fer den jü­di­schen Nach­ba­rIn­nen über 300 Grund­stü­cke und Häu­ser sowie 190 Un­ter­neh­men. 45 Ärz­tIn­nen, Rechts­an­wäl­tIn­nen und Apo­the­ke­rIn­nen wurde die Zu­las­sung ent­zo­gen oder sie be­ka­men Be­rufs­ver­bot. 157 Für­the­rIn­nen muss­ten Schmuck und Wert­sa­chen, weit unter dem tat­säch­li­chen Wert, ab­lie­fern. Wer emi­grie­ren konn­te, muss­te Spar­gut­ha­ben und Wert­pa­pie­re zu­rück­las­sen. Und von den Nach­ba­rIn­nen wur­den noch die let­zen Hab­se­lig­kei­ten der in die Gas­kam­mern De­por­tier­ten güns­tig er­stei­gert.
Un­ter­neh­mer wie Eckart, Hett­rich, Metz, Schi­cke­danz, Sold­an, die Ein­zel­händ­ler Bätz, Böhm, Dech, Maag, Pöhl­mann, Schöll, Wör­ner, die Mak­ler Löff­ler, Pfar­rer, Wiest und hun­der­te „nor­ma­ler Mit­bür­ge­rIn­nen“ waren die Tä­te­rIn­nen. Mit über 2000 Ge­set­zen und Ver­ord­nun­gen „ver­recht­licht“, war die Ari­sie­rung der größ­te Raub in der Ge­schich­te der Stadt. Er ver­nich­te­te die wirt­schaft­li­che Exis­tenz der Juden, bevor man sie er­mor­de­te.
In einem Stadt­rund­gang soll auf die­ses Ka­pi­tel ver­dräng­ter Stadt­ge­schich­te auf­merk­sam ge­macht wer­den. Der Stadt­rund­gang wird von Sieg­fried Im­holz ge­lei­tet.

 

Veranstaltungsreihe_Flyer_pdf

Geschrieben von: df am 9.04.2014

[Update] Istanbul: Live-Bericht eines Kollegen

Kurzer Bericht von der aktuellen Situation eines Kollegen des Bezirkvorstands Mittelfranken, der sich seit Freitag in Istanbul aufhält.

 

Im Folgenden versuche ich einen groben Überblick über die aktuelle Situation zu geben. Es wird noch ein ausführlicher Bericht nach der Reise folgen. Am Freitag, als wir ankamen wurden wir direkt von zwei Genossen der EMEK-Partei abgeholt und in den Gezipark gebracht. Dort erwartete uns eine unglaublich große Zeltstadt mit mehreren 10.000 Menschen auf dem Taksimplatz und im Gezipark. Dort wurde gerade in verschiedenen Plena über den weiteren Verlauf diskutiert. Es war alles unglaublich gut organisiert. Mit einer Krankenstation, kostenlosem Essen und Trinken, einer Feuerwehr, an vielen Ständen waren literweiße Flaschen mit einer Flüssigkeit zum Neutralisieren von Tränengas bereit gestellt. Abends kamen immer mehr Menschen zum Tanzen, Feiern aber vor allen um Solidarität zu zeigen. Die Vielfalt der Organisationen war wahnsinnig groß. Samstags suchten wir Gespräche mit den Demonstrierenden, davor trafen wir uns mit der Delegation von DIDF, die aus knapp 40 Menschen aus ganz Europa bestand. Gegen Abend sollte die Delegation ein Grußwort sprechen. Kurz davor sammelten wir uns an den EMEK-Zelten. Auf einmal wurde die Stimmung im Park unruhiger. Brillen und Atemschutzmasken wurden verteilt und die Menschen strömten richtung Ausgang, bei dem die Polizei noch nicht stand. Kurz nachdem wir losgegangen waren, explodierten Schockgranaten über den Köpfen. Kurz darauf folgten Tränengasgranaten. Beachtlich war, dass trotz Hustreiz, dem Gefühl keine Luft mehr zu bekommen und schlechter Sicht alles relativ geordnet ablief. In der Mitte von einem Weg stand ein Aktivist, der uns vorbeiströmenden Menschen mit der Neutralisierungs-Flüssigkeit versorgte. Innerhalb weniger Minuten hatte die Polizei den Park geräumt und Unzählige verletzt. Wir konnten uns in ein nahe gelegenes Hotel flüchten und konnten/mussten dort über mehrer Stunden verharren. In ca 200 Meter Entfernung sahen wir ununterbrochenen Tränengas- und Wasserwerfereinsatz. Dort wurden die DemonstrantInnen an einer Hotelfassade gekesselt bzw dort hinein gedrängt. Laut anderen Augenzeugen stand der Kessel permanent im Gasnebel und auch im Hotel wurden Gasmasken benötigt, um atmen zu können.

Rund um den Taksim-Platz wurde alles weiträumig abgesperrt. Wir befanden uns innerhalb diesen abgesperrten Bereiches. Außerhalb solidarisierten sich Hunderttausende und versuchten in die Nähe des Taksimplatzes zu kommen. Dort ist es an vielen Stellen zu Angriffen der Polizei gekommen. Die Schifffahrt wurde eingestellt, Straßen gesperrt und nach wenigen Stunden traf die Militärpolizei ein. Auch spontan eingerichtete Krankenstationen wurden angegriffen. Freiwillige Ärzte versuchten vor Ort sich um die Verletzten zu kümmern, um den Transport in ein Krankenhaus zu verhindern, da dort die Festnahme drohte…

Als wir in unsere Unterkunft gingen (was nur durch die Anwesenheit von Bundestagsabgeordneten möglich war) gingen wir unmittelbar am Gezipark vorbei. Dort war die Polizei schon seit Stunden beschäftigt den Park mit Baggern und LKWs aufzuräumen. Auch heute [Sonntag, 16.6.13] ist es nicht möglich den Taksim zu betreten. Es werden mittlerweile Rasen und Blumen gepflanzt, um die "Normalität" wieder herzustellen. Politisch würde ich das als Machtdemonstration von Erdogan einschätzen. Der Angriff fand am Samstagabend statt, zu keiner anderen Zeit befinden sich mehr Menschen auf dem Platz. Der Einsatz der Militärpolizei ist ein Zeichen dafür, dass die Polizei mit der Situation alleine nicht mehr zurecht kommt. Für heute abend ist eine Großdemo angekündigt. Die Gewerkschaften planen einen Generalstreik Anfang der Woche. Die Medien (wie hayat-tv) dürfen nur durch die Solidarität und den dadurch entstandenen Druck über die Proteste berichten. Wir werden uns noch weiter an den Protesten beobachten und beteiligen. Hoch die internationale Solidarität.(Stand Sonntag früh)

Fortsetzung nach der Reise:

Am Sonntag, den 16.6. war der Taksimplatz komplett abgesperrt. Uns gelang es nur mit der Delegation und einem Abgeordneten aus dem türkischen Parlament nach langen Verhandlungen, mit Einsatzleitung, Innenminister und Gouvaneur den Platz zu überqueren. Als wir in der größten Einkaufsstraße Istanbuls ankamen, waren dort riesige Barrikaden und nasse Straßen (von Wassernwerfern) zu sehen. Das Tränengas war noch in der Luft zu spüren. Die Barrikaden wurden sofort mit großen Baggern und LKW weg gefahren. Wir befanden uns auf dem Weg zu einer Krankenstation, um uns dort ein Bild zu machen. Dort angekommen, konnte leider nicht die gesamte Delegation mit in die Krankenstation hineingehen. Ein paar Genossen und ich warteten deshalb außen. Plötzlich rannten einige Menschen in eine kleine Gasse, um einem Polizeipanzerwagen aus dem Weg zu gehen. Bevor wir in Deckung gehen konnten, wurden wir mit Paintball ähnlichen Geschossen in den Beinen getroffen. Kurzdarauf folgten Tränengasgranaten und Wasserwerfer. Diese Situation zeigte uns, dass die Polizei schon die kleinsten Ansammlungen von Menschen auflößte. In der gesamten Innenstadt waren Menschen unterwegs, die den Eindruck machten auf irgendetwas zu warten, und sobald eine Parole angestimmt wurde, wurde diese aus allen Richtungen erwidert. Doch aufgrund dem repressiven Verhalten der Staatsmacht, gab es an diesem Tag keine große und organisierte Aktion. Die Militärpolizei zog auch um den Stadtkern einen Kessel und verhinderte, dass größere Menschengruppen oder Demonstrationen Richtung Innenstadt gelangten.
Die oben erwähnte Großdemonstration fand nicht statt. Stattdessen bekamen wir am Abend, als wir den Tag in einer Kneipe ausklingen ließen die Nachricht, dass auf dem Taksim-Platz ein schweigender Protest stattfindet. Dort war ein Mann, der über mehrere Stunden stillschweigend und sich ohne zu bewegen auf dem Platz stand. Mittlerweile wurden einige Flaschen Wasser und auch Blumen neben ihm abgestellt, um sich solidarisch zu zeigen. Als wir auf dem Platz ankamen befanden sich mehrere hundert Menschen im näheren Umkreis, um sich zu solidarisieren, aber auch einfach nur um sich den Schweigeprotest anzusehen. Wir befanden uns leider nur sehr kurz auf dem Platz, erfuhren aber am nächsten Morgen, dass die Menschen die sich dem Mann anschlossen und sich dazu stellten relativ schnell festgenommen wurden. Der Mann selber wurde nach sechs Stunden von der Polizei mitgenommen und seine Personalien festgestellt. Auf der einen Seite war dieser ein Magnet am Abend, der viele Menschen zum Taksim-Platz anlockte, auf der anderen Seite wird hier wieder deutlich, dass jeglicher Protest in der nähe des Geziparks im Keim erstickt wurde. Auch die weiteren Tage sahen wir immer wieder einige Menschen, die an verschieden Plätzen diese Protestform nachahmten. Bei vielen waren auch Schuhe mit dazu gestellt, um zu symbolisieren, dass sie hier nicht alleine stehen.

Am Sonntag fand auch in Istanbul eine große Propaganda-Show Erdogans statt. Diese Veranstaltung, die fast schon Festival-Charakter besaß, fand in einer riesigen Arena statt. Den gazen Tag über waren Busse aber auch Schiffe zu sehen, die AKP-AnhängerInnen zu dieser Veranstaltung brachten. Durch die Medien erfuhren wir, dass Erdogan dort massiv über die Demonstrierenden hetzte und sie als Terroristen, Plünderer und Ähnliches bschimpfte. Auch hier wurde wieder nicht nur der autoriäre Stil Erdogans deutlich, sondern auch, dass er versucht die Bevölkerung in AKP nah (=gut) und AKP KritikerInnen (=schlecht) zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen.
Am Abend sahen wir einige AKP-Schläger, die mit Hunden und Stöcken bewaffnet jagt auf Andersdenkende machten. In den Seitenstraßen war wie überall viel Polizei und Wasserwerfer zu sehen, die sich schützend hinter diese Schlägertrupps stellten.

Montag:
Am Montag sollte der oben schon erwähnte Generalstreik stattfinden. Dieser wurde von zwei großen Dienstleistungsgewerkschaften ausgerufen. Uns wurde mitgeteilt, dass mehrere 10.000 Menschen, oder sogar 100.000 Menschen erwartet werden. Auf dem Weg dorthin, hörten wir im Taxiradio, dass Erdogan die Demostrationen verbietet und dass im Notfall auch das Militär gegen die Demonstrierenden einsetzen wird. Dort lernten wir auch einen Genossen kennen, der uns berichtete wie er am Abend vorher von Erdogan-Anhängern mit einem Messer bedroht und über einen ganzen Platz gejagt wurde.
Als wir am Kundgebungsplatz angekommen waren waren "nur" wenige Tausend Menschen versammelt. Es sollte eine "Stern-Demonstration" von zwei Kundgebungsorten geben, die sich am Taksim-Platz treffen sollten. Wie Erdogan im Radio schon ankündigte, waren die Demonstrationen verboten und die Gewerkschaften verhandelten gerade mit der Polizei. Diese hielt aber das Verbot aufrecht und drohte mit der Räumung, woraufhin die OrganisatorInnen die Demos absagten, bzw. auflösten, um nicht unnötig Verletzte in Kauf zu nehmen.
Den Tag über waren wie sonntags auch überall Menschen zu sehen, die darauf warteten, dass etwas passiert. An vielen Orten wurden Parolen angestimmt und wieder aus allen Richtungen stimmten Leute durch Rufen oder Klatschen mit ein.

 

Die nächsten Tage waren eher ruhig und wir besuchten wir eine Art Forum. Dort trafen sich über 5.000 Menschen, um zusammen in einem Park über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Diese Diskussionsform wurde schon im Gezipark-Camp beschlossen. Seit dem finden in vielen Stadtteilen Istanbuls solche riesigen Plena über Stunden hinweg statt. Dort ist es den Menschen wichtig offen und weiter über politische Fragen zu diskutieren. Und diese Diskussionsstandpunkte sollen dann in die Nachbarschaft, Betriebe, bei Freunden, … weiter verbreitet und diskutiert werden.

 

Eine kleine politische Einschätzung
kurz vorweg: Ich habe mich vor dem Aufenthalt in der Türkei nicht viel mit der Politik dort beschäftigt und kann mich auch keinesfalls nach diesem kurzen Aufenthalt als "Türkei-Kenner" betiteln. Dennoch möchte ich im Folgenden ein paar politische Einschätzungen geben, die sich auch durch einen Diskussionsprozess mit Mitreisenden ergeben haben.

  • festzuhalten ist, dass es noch nie in der Türkei ein solch breites und großes Bündnis aus den verschiedensten Organisationen gab (KommunistInnen, AnarchsitInnen, Ökos, NationalistInnen, KurdInnen, FeministInnen, SozialdemokratInnen, KemalistInnen, Ultras, …) Insgesamt besteht das Taksim-Bündnis bzw. die "Taksim-Plattform" aus über 80 Organisationen
  • durch diese Breite gab es aus allen Bevölkerungsklassen, Stadtteilen, … Solidarität mit der Bewegung. Dadurch wurden auch Menschen politisiert und zum kritischen Hinterfragen bewegt
  • die Bewegung beschränkt sich lange nicht mehr nur mit der Abholzung von den Bäumen im Gezi-Park, sondern hat sich als AKP kritische Bewegung formiert
  • ich sehe in dieser Bewegung auch potential, dass sie längerfristig besteht, das muss aber in nächster Zeit noch weiter beobachtet werden
  • viele der Menschen sind müde, von mehreren Wochen Campen, Angriffen der Polizei, … Wir lernten eine Genossin kennen, die tagsüber arbeitete, dann nach der Arbeit gleich in den Gezipark ging und am Abend, wenn sie überhaupt schlafen konnte von Alpträumen von Polizeigewalt und Verletzten geplagt wurde
  • die Foren halte ich für eine gute Koordinierungs- und Diskussionsplattform, auf der viele politische und v.a. stadtteilrelevante Themen besprochen werden können. Auch Stadtaufwertung, Gentrifizierung und Verdrängung wird meiner Einschätzung nach immer wichtiger in der rasant wachsenden Stadt Istanbul
  • für die fortschrittliche Linke ist es wichtig, dass sie sich weiter mit an den Protesten beteiligt und v.a. in eine linke, fortschrittliche Richtung lenkt

her yet Taksim, her yet direnis! – Überall ist Taksim, überall ist Widerstand! Hoch die internationale Solidarität

Geschrieben von: df am 16.06.2013

Online-Petition „Ausbildungsgarantie jetzt!“

Unterschreibt die Online-Petition für eine Ausbildungsgarantie

 

Eine qualifizierte Berufsausbildung ist für alle Menschen unverzichtbar.
Sie ist darüber hinaus zukunftsweisend für die Entwicklung der gesamten Gesellschaft.
Der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung muss allen Jugendlichen ohne Warteschleife ermöglicht werden.

Dafür brauchen wir einen Rechtsanspruch auf Ausbildung.

In Kooperation mit dem GEW-Landesverband Hessen, dem DGB und dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit hat die Landesschülervertretung Hessen eine Online-Petition „Ausbildungsgarantie jetzt!“ ins Leben gerufen.

Diese könnt Ihr unter folgendem Link unterschreiben

https://www.openpetition.de/petition/online/ausbildungsgarantie-jetzt

Geschrieben von: df am 13.06.2013

Für einen kämpferischen 1.Mai

Raus zum 1. Mai!

 

Der 1. Mai steht dieses Jahr im Zeichen der Landtags- und Bundestagswahlen im September 2013.

Menschen müssen von ihrer geleisteten Arbeit leben können – auch im Alter. Und die jungen Menschen brauchen eine wirkliche Perspektive für ihr Leben.

Zur Durchsetzung unserer Ziele braucht es eine geschlossene, solidarische und starke Gewerkschaftsbewegung!

Lasst uns deshalb gemeinsam dafür sorgen, dass am 1. Mai wieder Tausende in Mittelfranken und anderswo mit uns auf die Straße gehen.

 

Termine für Fürth:
Demonstration: 10:00 Uhr | Sozialrathaus
Kundgebung und Maifest: 11:00 – 14:00 Uhr | Kleine Freiheit

Termine für Nürnberg:
Demonstration: 10:00 Uhr | Aufsessplatz
Kundgebung und Maifest: 11:00 – 17:30 Uhr | Kornmarkt

 

weitere Termine und Orte des DGB am 1.Mai unter http://mittelfranken.dgb.de/++co++b0be2774-a1bf-11e2-aff6-00188b4dc422

 

 

Geschrieben von: df am 18.04.2013

Referat: “Gemeinsame Bildung für alle – Herausforderung und Chance”

Otto Herz referiert und stellt dich dem Kreuzverhör.

 

Otto Herz war Mitarbeiter Hartmut von Hentigs, baute die Bielefelder Laborschule und das Oberstufen-Kolleg mit auf, war Bundesvorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG), leitete das Landerziehungsheim Hermann-Lietz-Schule, machte Community Education in Deutschland bekannt, ist heute Vorstand der Stiftung Civil-Courage.
Lehrbeauftragte an vielen Universitäten (u.a. Berlin, Bielefeld, Dresden, Osnabrück, Leipzig)
 

Di., 18.06.2013 | Fürth

 

 

Nähere Informationen über die Veranstaltung gibt es in Kürze.

Geschrieben von: df am 18.04.2013

Arbeitsbedingungen bei Amazon

Aufruf zur Online-Petition wegen der Arbeitsbedingungen bei Amazon

von Heiner Reimann, ver.di

Die ARD zeigte am 14.2.2013 eine Reportage über den Online-Versand Amazon. Die Dokumentation mit dem Titel „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" zeigt die widrigen Umstände, unter denen die Arbeiter Pakete für den Versand vorbereiten. Aktuell gibt es eine Welle der Entrüstung.
Mein Name ist Heiner Reimann. Ich betreue die ver.di-Mitglieder bei Amazon – vielleicht haben Sie mich ja am 14.2. sogar in der ARD-Reportage gesehen.
Ich habe gerade eine Petition auf Change.org an Amazon gestartet, denn wenn jetzt tausende Menschen mitmachen, gibt es eine Chance, die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im größten Online-Kaufhaus der Welt zu verbessern. Unser Ziel ist es, mindestens 30.000 Unterschriften zu sammeln, die wir an Amazon übergeben werden.

Bitte unterschreiben Sie jetzt meine Petition und fordern Sie von Amazon faire Bedingungen für Leiharbeiter. Sobald Sie unterschrieben haben, leiten Sie diese E-Mail weiter.

>www.change.org/ausgeliefert

Leiharbeiter müssen Verträge unterschreiben, die sie nicht verstehen. Sie erhalten weniger Lohn als gedacht. Sie werden nur bezahlt, wenn sie gebraucht werden und dann wieder in ihre Massenunterkünfte zurückgeschickt. Sie haben keine Stimme, denn jede Kleinigkeit kann Jobverlust bedeuten.
Amazon ist ein großes, ein wichtiges Unternehmen – nicht nur im Versandhandel. Wir wollen Amazon in Deutschland haben. Aber gerade die großen und wichtigen Unternehmen haben eine Verantwortung und Vorbildfunktion.
Was wir uns wünschen ist, dass Amazon mit vorbildlichen Regelungen für Beschäftigte zeigt, dass es ein besonderes Unternehmen und ein wirklich guter Arbeitgeber ist – jenseits von Tricks und Schlupflöchern zur Profitmaximierung.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung,
Heiner Reimann, ver.di Landesbezirk Hessen

Weitere Informationen zum Thema:
>Infos zu den Aktiven von ver.di bei Amazon und zu den Arbeitsbedingungen
>Hintergründe zum Leistungsdruck bei Amazon

Geschrieben von: admin am 20.02.2013

 zurück 1 2 weiter