13.06.2013

GEW: „Schluss mit der Hire-and-Fire-Politik in der Wissenschaft!“

Bildungsgewerkschaft verlangt Konsequenzen aus dem „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs“ – Anhörung im Bundestag

 

Frankfurt a.M./Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Bundestag und Bundesregierung aufgefordert, Konsequenzen aus dem „Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013“ zu ziehen. „Immer mehr Zeitverträge mit immer kürzeren Laufzeiten, unsichere Berufsperspektiven und fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf – so kann es nicht weitergehen. Der Bund muss die Hochschulen und Forschungseinrichtungen jetzt zu einer verantwortungsbewussten Personalpolitik verpflichten“, erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller in der Sachverständigen-Anhörung des Deutschen Bundestages am Mittwoch in Berlin.

Auch im Bildungsföderalismus habe der Bund genug Gestaltungsmöglichkeiten, um die Karrierewege in der Wissenschaft berechenbarer, die Beschäftigungsbedingungen stabiler zu machen, betonte der GEW-Hochschulexperte. „Wenn eine Doktorarbeit fünf Jahre dauert, sollten Doktorandinnen und Doktoranden Fünf-Jahres-Verträge bekommen. Wenn ein Drittmittelprojekt drei Jahre läuft, sollten auch die Forscherinnen und Forscher für mindestens drei Jahre beschäftigt werden. Wer Kinder betreut, in Elternzeit geht oder dem Mutterschutz unterliegt, sollte einen Rechtsanspruch auf Vertragsverlängerung bekommen. Diese einfachen Grundsätze müssen endlich im Wissenschaftszeitvertragsgesetz verankert werden“, unterstrich Keller.

Darüber hinaus solle der Bund gemeinsam mit den Ländern seinen Einfluss als Geldgeber geltend machen. „Exzellenzinitiative, Pakt für Forschung und Innovation, Qualitätspakt Lehre: Bund und Länder geben Milliarden für die Förderung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus. Die Politik darf nicht länger dulden, dass öffentliche Arbeitgeber systematisch Beschäftigung deregulieren, Arbeit prekarisieren und Tarifflucht betreiben. Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die mit Bund-Länder-Programmen gefördert werden, sollten künftig nachweisen müssen, dass sie sich zu Mindeststandards guter Arbeit bekennen: Tariftreue, Mindestlöhne, Dauerstellen für Daueraufgaben. Wer nicht hören will, muss fühlen!“ sagte das GEW-Vorstandsmitglied.

Keller zeigte sich erfreut, dass alle fünf Bundestagsfraktionen die Probleme nicht mehr leugneten, sondern parlamentarische Initiativen für berechenbare Karrierewege und stabile Beschäftigungsbedingungen gestartet hätten. Er appellierte an das Parlament, noch vor der Bundestagswahl konkrete Maßnahmen zu beschließen. „Die Hire-and-Fire-Politik in der Wissenschaft untergräbt nicht nur Kontinuität von Forschung und Lehre, sie gefährdet auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes Hochschule und Forschung im Wettbewerb mit der Wirtschaft und dem Ausland. Der Bund muss endlich eingreifen – nicht nur im Interesse der betroffenen Kolleginnen und Kollegen, sondern des Wissenschaftsstandorts Deutschland“, sagte Keller.

 

 

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