18.11.2010

Gute Lehre muss gut bezahlt werden

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GEW-Newsletter Hochschule und Forschung
18.11.2010 – GEW: “Gute Lehre an Hochschulen muss gut bezahlt werden!”
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GEW: “Gute Lehre an Hochschulen muss gut bezahlt werden!”

Gleiches Einkommen für Lehrende in Ost und West – gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Dresden. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat gefordert, Lehrkräfte an ostdeutschen Fachhochschulen endlich besser zu bezahlen und das Einkommen an den Verdienst im Westen anzugleichen. “Gute Lehre an Hochschulen muss gut bezahlt werden. Wir setzen uns für eine Eingruppierung aller Lehrkräfte per Tarifvertrag ein, die diskriminierenden Regelungen einen Riegel vorschiebt. Die Arbeitgeberwillkür muss beendet werden”, sagte GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad am Donnerstag während einer Pressekonferenz in Dresden.

“Die unterschiedliche Bezahlung in Ost und West ist ebensowenig zeitgemäß wie die schlechtere Bezahlung etwa von Grund- und Hauptschullehrkräften gegenüber Gymnasiallehrern”, betonte Schaad. Sie forderte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) auf, die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über eine Entgeltordnung, die auch die Lehrkräfte umfasst, bald abzuschließen. Die Gewerkschafterin erläuterte, dass die Arbeitgeber derzeit allein festlegten, welchen Beschäftigten sie welches Gehalt zahlen. Dies sei möglich, weil es keinen Tarifvertrag für Lehrkräfte gibt.

“Die Lehrenden an Hochschulen müssen besser bezahlt werden. Die Anforderungen an die Qualität der Arbeit der Lehrenden in den Hochschulen sind sehr hoch: In den Arbeitsbedingungen spiegeln sich diese Ansprüche jedoch nicht wider”, stellte Andreas Keller, für Hochschule und Forschung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, fest. “Die Lehrenden sind hervorragend ausgebildet, ihr Gehalt entspricht aber nicht ihrer Qualifikation. Sie werden häufig befristet eingestellt, lehren 18 Stunden in der Woche – teilweise mehr – und übernehmen viele weitere Aufgaben. Ohne sie bräche der Lehrbetrieb in vielen Fächern schlicht zusammen.”

Michael Gebel, “Lehrkraft für besondere Aufgaben” an der Fachhochschule Nordhausen in Thüringen, zeigte an seinem Beispiel auf, dass er doppelt diskriminiert werde: Er verdiene nicht nur deutlich weniger als ein Professor an derselben Fachhochschule, sondern werde auch schlechter bezahlt als ein Kollege im Westen, der die gleiche Arbeit macht. Gebels Aufgaben entsprechen in vielen Punkten denen eines Professors. Er unterrichtet und betreut Studierende, nimmt Prüfungen ab, entwickelt neue Studiengänge und beteiligt sich an der Selbstverwaltung der Hochschule.

Info:

Die GEW schlägt vor, dass Lehrende an Hochschulen, die promoviert haben oder über mindestens vier Jahre Erfahrung in Lehre, Forschung oder Wissenschaftsmanagement verfügen, in die Entgeltgruppe (EG) 14 des Tarifvertrages der Länder (TV-L) eingruppiert werden. Wenn sie weitere Qualifikationen (z.B. Habilitation) vorweisen können, sollen sie in die Entgeltgruppe 15 einsortiert werden.

Die Eingruppierung der Lehrkräfte wird zurzeit durch Richtlinien der TdL geregelt. Diese erlauben es den Ländern, ihre Beschäftigten unterschiedlich zu bezahlen – auch bei gleicher Tätigkeit. Zum Beispiel die “Lehrkräfte für besondere Aufgaben” in West- und Ostdeutschland: Auf Grundlage der TdL-Richtlinien für Lehrkräfte im Bereich des Bundesangestelltentarifvertrages Ost (BAT-O) werden “Lehrkräfte für besondere Aufgaben” an wissenschaftlichen Hochschulen gemäß BAT IIa (entspricht EG 13 des TV-L) eingruppiert, an Fachhochschulen aber nur in BAT IIb (entspricht EG 11 des TV-L). Im Westen erhalten alle BAT IIa.

In Deutschland gibt es gut 7.200 “Lehrkräfte für besondere Aufgaben” und über 700 “künstlerische Lehrkräfte” an Kunsthochschulen.

Informationen zur Tarifrunde 2011 im Internet unter http://www.gew-tarifrunde.de/. Dort ist auch die Broschüre “Entgeltordung durchsetzen” verfügbar mit einem Beitrag zur Lage der Lehrkräfte an Hochschulen: http://www.gew-tarifrunde.de/Broschuere_zur_Tarifrunde_2011_Entgeltordnung_durchsetzen.html.

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